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Market Reports

IPv4-Marktbericht — Q2 2026: $20,16/IP Durchschnitt bei 1,66 Mio. Adressen, Preise 30,5 % unter Vorjahr

2. Juli 2026
Mustafa Enes Akdeniz
IPv4-Marktbericht — Q2 2026: $20,16/IP Durchschnitt bei 1,66 Mio. Adressen, Preise 30,5 % unter Vorjahr

22 Min. Lesezeit

Dieser Bericht analysiert den IPv4-Transfermarkt für 2. Quartal 2026 auf Basis abgeschlossener IPv4Center-Markttransaktionen und offizieller RIR-Transferdaten.

Zusammenfassung

Der IPv4-Transfermarkt hat im 2. Quartal 2026 insgesamt 312 Transaktionen über 1.660.928 Adressen mit einem Gesamtvolumen von $21,75 Mio. verzeichnet. Der Durchschnittspreis lag bei $20,16 pro IP — ein Anstieg von 1,3 % gegenüber dem 1. Quartal 2026, aber ein Rückgang von 30,5 % im Jahresvergleich zum Q2 2025. Die Transaktionszahl stieg um 9,9 % gegenüber dem Vorquartal, was auf eine Belebung der Handelsaktivität hindeutet, obwohl die durchschnittliche Losgröße von 129.273 IPs im Q1 auf 69.704 IPs deutlich geschrumpft ist. Der Median von $20 pro IP bestätigt eine relativ enge Verteilung um den Mittelwert. Die Preistendenz bleibt abwärtsgerichtet — der strukturelle Verfall seit den Höchstständen von 2023 setzt sich fort.

Marktüberblick

Transaktionen312
Gehandelte IP-Adressen1.660.928
Geschätzter Marktwert$21.747.629
Durchschnittspreis / IP$20,16
Medianpreis / IP$20,00
RIR-Transfers1.663

Jahresvergleich

KennzahlDieser ZeitraumVorjahr (Q2 2025)Veränderung
Transaktionen312219+42,5%
Gehandelte IP-Adressen1.660.9281.219.840+36,2%
Geschätzter Marktwert$21.747.629$26.772.793-18,8%
Durchschnittspreis / IP$20,16$29,02-30,5%
RIR-Transfers1.6631.974-15,8%

Preisdynamik

Die Preisspanne im Q2 2026 reichte von $10 bis $41 pro IP — eine Spreizung von $31, die vor allem durch Unterschiede bei Blockgröße, RIR-Zugehörigkeit und Blockqualität erklärt wird. Der Durchschnitt von $20,16 liegt nur $0,16 über dem Median, was auf eine symmetrische Verteilung ohne extreme Ausreißer hindeutet. Gegenüber dem Q1 2026 ergibt sich ein marginaler Anstieg von 1,3 %, der die Abwärtsbewegung nicht umkehrt, sondern lediglich bremst. Der Jahresvergleich ist drastisch: $20,16 gegenüber rund $29 im Q2 2025 — ein Rückgang von 30,5 %, der die Auswirkungen des AWS-IPv4-Gebühreneffekts und des wachsenden Angebots aus Legacy-Beständen widerspiegelt. Die Regressionsanalyse zeigt einen flachen, leicht negativen Trend mit einer geschätzten Quartalsveränderung von −0,5 %.
Preise nach RIR — 2. Quartal 2026

Preise nach RIR

RIPE dominierte das Quartal mit 48,7 % aller Transaktionen, dicht gefolgt von ARIN. Die Preisunterschiede zwischen den Registern sind bemerkenswert eng geworden — ARIN und RIPE nähern sich einander an wie selten zuvor.

RIPE NCC: $21,07/IP Durchschnitt über 152 Transaktionen (36,8 % des IP-Volumens). Median bei $21, Spanne $10–$38. RIPE-Blöcke halten ihr Preispremium gegenüber ARIN, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau als vor 12 Monaten.

ARIN: $18,96/IP Durchschnitt über 137 Transaktionen (55,8 % des IP-Volumens). Median bei $18, Spanne $10–$41. ARIN lieferte die größten Einzelblöcke des Quartals und damit den Großteil des Adressvolumens — das Maximum von $41 geht auf einen Einzeltransaktion mit Premiumblock zurück.

APNIC: $20,19/IP über 16 Transaktionen. Median $20,25. Stabile Nischennachfrage aus dem asiatisch-pazifischen Raum.

LACNIC: $24,14/IP über lediglich 7 Transaktionen — der teuerste Raum im Quartal. Der hohe Durchschnitt reflektiert die Knappheit transferierbarer Blöcke in Lateinamerika, nicht etwa eine höhere intrinsische Qualität.

AFRINIC: Keine Transaktionen. Die Governance-Krise des Registers und die faktische Unmöglichkeit von Transfers blockieren den Markt weiterhin vollständig.
RIRTransaktionenØ $/IPMedian $/IPGehandelte IPsRIR-TransfersNächster Monat (Prog.)Jahresende (Prog.)
RIPE152$21,07$21,00610.3041.000$23,00$22,00
ARIN137$18,96$18,00927.232663$17,50$16,50
APNIC16$20,19$20,25110.3360$22,00$21,00
LACNIC7$24,14$25,5013.0560$25,00$24,00

Transaktionsvolumen

Transaktionsvolumen — 2. Quartal 2026
RIR distribution — 2. Quartal 2026

Angebot & Blockgrößen

Der /24-Block blieb mit 90 von 312 Transaktionen (28,8 %) die meistgehandelte Präfixgröße. Das entspricht dem historischen Muster: Kleine und mittelständische Unternehmen kaufen genau die Menge, die sie für BGP-Routing benötigen, und /24 ist die kleinste routbare Einheit. Die durchschnittliche Losgröße von 69.704 IPs — ein Rückgang um 46,1 % gegenüber 129.273 im Q1 — deutet darauf hin, dass weniger Großblöcke (/16 und größer) den Besitzer wechselten. Großtransaktionen über $1 Mio. machten mit 10 Abschlüssen nur 3,2 % der Deals aus, trugen aber $18,5 Mio. oder 85 % des Gesamtwerts bei.
Verteilung der Blockgrößen — 2. Quartal 2026

Geografische Aktivität

Die USA führten die Länderliste mit 116 Transaktionen an, gefolgt von Großbritannien (46) und Kanada (25). Schweden (12), Niederlande (10) und Australien (8) komplettieren die aktivsten Märkte. Deutschland tauchte mit lediglich 5 Transaktionen auf — für die größte europäische Volkswirtschaft ein auffällig niedriger Wert, der auf gesättigte Eigenbestände der großen Telekommunikationsanbieter und ISPs hindeutet. Die Konzentration auf angelsächsische Märkte bleibt das dominierende Muster im IPv4-Handel.

Registry-Transferaktivität

Die offiziellen RIR-Transferstatistiken verzeichneten im Q2 2026 insgesamt 1.663 Transfers — ein Vielfaches der 312 hier erfassten Kauftransaktionen, da RIR-Transfers auch konzerninterne Umschichtungen, Fusionen und nicht-monetäre Übertragungen umfassen. RIPE führte mit 1.000 Transfers (60,1 %), gefolgt von ARIN mit 663 (39,9 %). APNIC, LACNIC und AFRINIC registrierten null offizielle Transfers in diesem Quartal.

Langfristige Transfertrends

Über den gesamten Beobachtungszeitraum von 42 Monaten wurden 34.030 RIR-Transfers erfasst. Der Spitzenwert lag im Dezember 2024 — ein Monat, in dem viele Unternehmen vor Jahresende Bestände umschichteten und die Einführung der AWS-IPv4-Gebühr zum 1. Februar 2024 noch nachlaufende Verkäufe auslöste. RIPE hält über den Gesamtzeitraum einen Anteil von 59,7 % aller Transfers, ARIN 40,3 %. Die beiden Register teilen den Markt praktisch unter sich auf.
RIRRIR-Transfers
RIPE20.329
ARIN13.701
RIR-Transfers34.030
Langfristige Transfertrends — 2. Quartal 2026

Ausblick & Prognose

Jede Blockgrößenklasse und jeden RIR separat mit unserem KI-Modell prognostizierend:

Der durchschnittliche Preis pro IP wird bis Dezember 2026 voraussichtlich $19,40 erreichen, mit einer Schätzung von $20,00 pro IP für den nächsten Monat.

  • RIPE: voraussichtlich $23,00 pro IP im nächsten Monat, mit Tendenz zu $22,00 bis Dezember 2026.
  • ARIN: voraussichtlich $17,50 pro IP im nächsten Monat, mit Tendenz zu $16,50 bis Dezember 2026.
  • APNIC: voraussichtlich $22,00 pro IP im nächsten Monat, mit Tendenz zu $21,00 bis Dezember 2026.
  • LACNIC: voraussichtlich $25,00 pro IP im nächsten Monat, mit Tendenz zu $24,00 bis Dezember 2026.
  • AFRINIC: unzureichende Daten für eine verlässliche Prognose.
Das Prognosemodell erwartet für den kommenden Monat einen Durchschnittspreis von $20/IP — praktisch unverändert. Zum Jahresende 2026 wird ein Rückgang auf $19,40/IP projiziert, was einem weiteren Abschlag von 3,8 % gegenüber dem aktuellen Niveau entspräche. Die Prognose gilt als zuverlässig, was angesichts der geringen Volatilität der letzten zwei Quartale plausibel ist. Ein Preisverfall unter $18 bis Jahresende wäre nur bei einem plötzlichen Angebotsschub großer Legacy-Bestände realistisch.
Preisprognose — 2. Quartal 2026

Prognose nach Blockgröße

BlockAktuell $/IPNächster MonatJahresendeKonfidenz
/24$26,00$26,00 (0,0%)$25,00 (-3,8%)mittel
/23$20,00$20,50 (+2,5%)$20,00 (0,0%)mittel
/22$17,00$17,00 (0,0%)$16,00 (-5,9%)mittel
/21$17,70$17,50 (-1,1%)$17,00 (-4,0%)mittel
/20$15,75$15,75 (0,0%)$16,00 (+1,6%)mittel
/19$14,25$14,50 (+1,8%)$14,50 (+1,8%)niedrig
/18-/16$13,50$13,50 (0,0%)$14,00 (+3,7%)mittel
/15-up$10,00$10,00 (0,0%)$10,50 (+5,0%)niedrig

Redaktion: Kaufen oder Mieten?

Die Kaufen-oder-Mieten-Frage lässt sich im Q2 2026 klar beantworten: Kaufen. Bei einem Kaufpreis von $20,16/IP und einer monatlichen Miete von $0,5859/IP amortisiert sich der Kauf nach 34,4 Monaten — knapp unter drei Jahren. Die jährliche Rendite eines gekauften und vermieteten Blocks liegt rechnerisch bei 34,9 %. Für einen /24-Block bedeutet das: Kaufpreis $5.161, monatliche Mieteinnahme $150, Amortisation in 2,9 Jahren. Wer die Adressen selbst nutzt, spart ab Monat 35 die gesamte Miete. Bei einer prognostizierten Jahresendebewertung von $19,40/IP wäre der Kapitalverlust auf dem Block gering — etwa 3,8 %. Die Mietrendite übersteigt diesen Wertverlust bei weitem. Für Käufer, die mindestens drei Jahre planen, ist der Kaufmarkt attraktiv.
/24 Kaufpreis$5.161
/24 Mietpreis$150 / Mon.
Amortisationsdauer34,4 Mon. (2,9 J.)
Brutto-Jahresrendite34,9%
Redaktion: Kaufen oder Mieten? — 2. Quartal 2026

Was das für Sie bedeutet

Für Käufer: Das Preisniveau von $20,16/IP bietet einen günstigen Einstieg — historisch betrachtet sind die Preise 30,5 % unter dem Vorjahr. Wer Bedarf hat, sollte nicht auf weitere Rückgänge spekulieren. Die Prognose zeigt nur noch moderate Abwärtsbewegung bis $19,40 zum Jahresende. Größere Blöcke (ab /20) bieten Mengenrabatte; die ARIN-Region ist mit $18,96 Durchschnitt aktuell am günstigsten.

Für Verkäufer: Die Erosion der letzten zwölf Monate von $29 auf $20 ist gravierend. Wer ungenutzte Bestände hält, sollte einen Verkauf nicht aufschieben — das Prognosemodell sieht keine Trendwende. Jeder Monat Warten kostet rechnerisch Wert. Ausnahme: Vermietung bei 34,9 % Jahresrendite kann eine sinnvolle Alternative sein, sofern der administrative Aufwand tragbar ist.

Für Mieter: Die monatliche Miete von $0,59/IP (entspricht $150/Monat für einen /24) ist marktkonform, aber die Amortisationsrechnung spricht klar für den Kauf, wenn die Nutzung über 34 Monate hinausgeht. Kurzfristige Projekte unter drei Jahren sind weiterhin ein Fall für Miete.

Für Bestandshalter: Ein ungenutzter /16-Block ist beim aktuellen Durchschnitt rund $1,32 Mio. wert. Die Mietrendite von 34,9 % p.a. ist außergewöhnlich hoch für einen Sachvermögenswert. Wer nicht verkaufen will, sollte eine Vermietungsstrategie prüfen.

IPv4-Preise nach Blockgröße

Kleinere Blöcke handeln weiterhin mit deutlichem Aufschlag pro IP. Ein /24-Block (256 IPs) wurde im Mittel bei rund $21–$25/IP gehandelt, während große /16-Blöcke (65.536 IPs) typischerweise im Bereich $15–$18/IP lagen. Der Spread zwischen kleinen und großen Blöcken hat sich im Jahresvergleich etwas verengt, da die Gesamtpreise gesunken sind, die Mindestpreise für kleine Blöcke aber durch den Transaktionskostenaufwand nach unten begrenzt bleiben. Das Minimum von $10/IP betraf mit hoher Wahrscheinlichkeit einen größeren Block mit eingeschränkter Reputation.
BlockIPsKauf: /IPKauf: GesamtLeasing: /IP/Mo.Leasing: Monatlich
/24256$35–45$8,960–11,520$0.38–0.50$97–128
/221,024$28–38$28,672–38,912$0.33–0.45$338–461
/204,096$22–32$90,112–131,072$0.30–0.40$1,229–1,638
/1816,384$20–30$327,680–491,520$0.30–0.38$4,915–6,226
/1665,536$18–28$1,179,648–1,835,008$0.30–0.35$19,661–22,938

IPv4-Preisgeschichte: 2011–2026

Die IPv4-Preisgeschichte lässt sich in klare Phasen einteilen: Nach der IANA-Erschöpfung 2011 stiegen die Preise stetig von $5–$8 auf über $25 bis 2019. Die Pandemie-Digitalisierung trieb die Preise 2021–2023 auf Höchststände von $50–$60/IP für saubere ARIN-Blöcke. Die Einführung der AWS-IPv4-Gebühr von $0,005/Stunde im Februar 2024 wirkte als Katalysator für Freisetzungen ungenutzter Adressen und drückte die Preise innerhalb von 18 Monaten um über 50 %. Der aktuelle Durchschnitt von $20,16 liegt in etwa auf dem Niveau von 2018/2019 — eine vollständige Rückkehr zum Vorkrisenniveau. Die Preiskonvergenz zwischen ARIN und RIPE auf $2–$3 Differenz ist ein Novum der letzten Quartale.
Jahr~Preis/IPEreignis
2011$7–12IANA-Freibestand erschöpft; Microsoft/Nortel-Deal ($11,25/IP)
2012$8–12RIPE NCC erreicht letzten /8-Block; nur noch /22-Zuteilungen
2014$10–15LACNIC-Freibestand erschöpft
2015$8–15ARIN-Freibestand erschöpft
2017–18$12–18Leasingmarkt wächst; Cloud-Nachfrage steigt
2019$18–24RIPE NCC erschöpft verbliebenen Freibestand
2021–22$50–60+Post-Pandemie-Höchststand; Hyperscaler-Ausbau
2024$35–52AWS-IPv4-Gebühr ($0,005/IP/Std.); Großblock-Korrektur
2025–26$18–45Marktspaltung; /16-Blöcke erstmals seit 2019 unter $20

Marktstruktur: Wer kauft und wer verkauft

Die Käuferseite wird von drei Gruppen dominiert: Cloud- und Hosting-Anbieter, die Kapazitäten aufbauen; regionale ISPs, die Endkundenanschlüsse versorgen; und Unternehmen, die eigene Netzwerkinfrastruktur betreiben. Die Verkäuferseite speist sich aus Legacy-Bestandshaltern (Universitäten, Behörden, Großkonzerne mit historischen Zuweisungen) sowie zunehmend aus Hyperscalern, die nach der AWS-Gebühreneinführung überschüssige Bestände abstoßen. Insolvenzen und M&A-bedingte Portfoliobereinigungen liefern einen stetigen, aber schwer prognostizierbaren Angebotsfluss.

IPv4 im Vergleich zu anderen Anlageklassen

IPv4-Adressen als Anlageklasse liefern im Q2 2026 eine rechnerische Mietrendite von 34,9 % p.a. — ein Wert, der Gewerbeimmobilien (4–7 %), Anleihen (3–5 %) und historische Aktienrenditen (8–10 %) massiv übertrifft. Diese Rendite muss allerdings gegen den Kapitalwertverlust von 30,5 % im Jahresvergleich gegengerechnet werden. Netto ergibt sich bei einem heutigen Kauf und Vermietung dennoch eine positive Gesamtrendite — vorausgesetzt, der Preisverfall verlangsamt sich wie prognostiziert auf 3–4 % in den kommenden Quartalen. Als nicht-korrelierter Sachwert mit endlichem Angebot bleibt IPv4 eine Nischen-Anlageklasse für spezialisierte Investoren.
AnlageklasseTypische RenditeLiquiditätHauptrisiko
IPv434,9%MittelIPv6-Einführung, Blockqualität
Gewerbeimmobilien5–8%NiedrigLeerstand, Zinszyklus
Investment-Grade-Anleihen4–5%HochDuration, Kreditrisiko
S&P 500~1,3%HochMarktvolatilität
Money Market / T-Bills~4–5%HochZinszyklusänderungen

IPv6 und warum IPv4 unverzichtbar bleibt

IPv6-Adoption liegt laut Google-Messungen global bei etwa 45 %, variiert aber extrem: Indien über 70 %, Deutschland um 60 %, große Teile Afrikas und Asiens unter 10 %. Die Koexistenz beider Protokolle wird sich mindestens bis in die 2030er Jahre fortsetzen. Solange ein einziger relevanter Netzbetreiber oder Inhalteanbieter kein IPv6 unterstützt, bleibt IPv4 für die End-to-End-Konnektivität unverzichtbar — und damit auch der Transfermarkt aktiv.

KI- und Cloud-Infrastrukturnachfrage

Der Aufbau von KI-Recheninfrastruktur — Trainingszentren, Inferenz-Cluster, Edge-Deployment — erzeugt direkten IPv4-Bedarf. Jeder GPU-Cluster benötigt Managementnetzwerke, API-Endpunkte und häufig auch dedizierte öffentliche IPs für Datenzugriff und Modellverteilung. Die Größenordnung der geplanten Investitionen (Microsoft, Google und Meta haben zusammen über $200 Mrd. für 2025–2026 angekündigt) wird in den kommenden Quartalen spürbar im Transfermarkt ankommen, auch wenn ein Großteil dieser Nachfrage intern aus vorhandenen Beständen gedeckt wird.

Was den Wert eines IPv4-Blocks bestimmt

Nicht jede IPv4-Adresse ist gleich viel wert. Entscheidende Wertfaktoren sind: Schwarzlistenstatus (ein Block auf großen Sperrlisten handelt mit 30–50 % Abschlag), Zuweisungsalter (ältere Legacy-Blöcke gelten als stabiler), RIR-Zugehörigkeit (RIPE-Blöcke erzielen $2–$3 mehr als ARIN), Übertragbarkeit (manche Allokationen unterliegen Einschränkungen) und Blockgröße (größere Blöcke mit niedrigerem Pro-IP-Preis, aber höherer Transaktionssumme). Ein sauberer /20-Block aus dem RIPE-Raum erzielt andere Preise als ein vergleichbarer ARIN-Block mit Spam-Historie.

Verkaufen oder Vermieten: Entscheidungsrahmen

Bei fallenden Preisen und einer Mietrendite von 34,9 % p.a. stellt sich für Bestandshalter die Frage nach dem optimalen Zeitpunkt. Die Rechnung: Ein /24 bringt beim Verkauf heute $5.161 sofort, bei Vermietung $1.800 pro Jahr. Nach 2,9 Jahren hat der Vermieter den Kaufpreis eingespielt — aber nur, wenn der Mieter zuverlässig zahlt und der Block administriert wird. Bei einem prognostizierten Preisrückgang auf $19,40 bis Dezember 2026 verliert der Block rund $194 an Wert im Halbjahr. Wer den administrativen Aufwand scheut oder schnelle Liquidität braucht, sollte verkaufen. Wer langfristig plant und die Verwaltung organisiert hat, fährt mit Vermietung besser.
/24 Kaufpreis$5.161
/24 Mietpreis$150 / Mon.
Amortisationsdauer34,4 Mon. (2,9 J.)
Brutto-Jahresrendite34,9%

RIPE NCC 24-Monats-Transferbeschränkung

Die 24-Monats-Haltefrist des RIPE NCC — ein Block muss mindestens zwei Jahre beim neuen Inhaber registriert sein, bevor er erneut transferiert werden kann — wirkt als künstliche Verknappung. Sie verhindert spekulative Schnellkäufe und reduziert die effektive Umlaufgeschwindigkeit im RIPE-Raum. Das ist einer der Gründe, warum RIPE-Blöcke mit $21,07 Durchschnitt ein Premium von $2,11 gegenüber ARIN ($18,96) halten: Das Angebot ist durch die Regel strukturell begrenzt.

Transaktionsgrößenverteilung

Die Verteilung der Transaktionsgrößen zeigt ein klares Bild: 244 von 312 Deals (78,2 %) lagen unter $50.000 und machten zusammen nur $3,59 Mio. aus — ein Sechstel des Gesamtvolumens. Am oberen Ende standen 10 Großtransaktionen über $1 Mio. mit einem kumulierten Wert von $18,5 Mio. — das entspricht 85 % des Gesamtwerts bei nur 3,2 % der Transaktionen. Die durchschnittliche Losgröße fiel von 129.273 IPs im Q1 auf 69.704 IPs, ein Rückgang von 46,1 %. Das deutet auf weniger Megadeals und mehr mittelständische Käufer hin.

Top-Handelsländer

Die USA dominieren den Markt mit 116 Transaktionen (37,2 %), was angesichts des dortigen Internetinfrastruktur-Volumens und der BEAD-Förderung erwartbar ist. Großbritannien hielt sich mit 46 Deals überraschend stark auf Platz zwei — vermutlich getrieben durch Konsolidierung im britischen ISP-Markt. Kanada (25), Schweden (12) und die Niederlande (10) vervollständigen die Top 5. Deutschland lag mit nur 5 Transaktionen weit abgeschlagen — ein strukturelles Merkmal, da die großen deutschen Netzbetreiber über historisch umfangreiche Eigenzuweisungen verfügen.

BEAD-Breitbandprogramm

Das US-Breitbandprogramm BEAD mit einem Budget von rund $42 Mrd. beginnt ab 2025/2026 in die Umsetzungsphase einzutreten. Regionale ISPs und Breitbandanbieter, die BEAD-Fördermittel erhalten, benötigen IPv4-Adressen für neue Anschlüsse — typischerweise /20 bis /18 Blöcke. Diese Nachfrage wird sich in den kommenden 12–24 Monaten verstärkt im Transfermarkt zeigen und könnte die Preise für mittlere Blockgrößen selektiv stützen, während der Gesamttrend weiter abwärts zeigt.

Hyperscaler-IPv4-Bestände

Amazon, Microsoft, Google und Apple halten zusammen geschätzte 200–300 Millionen IPv4-Adressen. Amazons Entscheidung, ab Februar 2024 $0,005/Stunde pro öffentlicher IPv4-Adresse zu berechnen, hat weltweit Unternehmen dazu bewogen, ungenutzte Elastic IPs zurückzugeben — und damit indirekt den Transfermarkt mit Angebot versorgt. Sollte ein Hyperscaler in größerem Umfang eigene Bestände auf den Markt bringen, wäre das ein potenzieller Preiskatalysator nach unten. Bisher gibt es dafür allerdings keine konkreten Signale.

Makroökonomische Bedingungen und Marktauswirkungen

Steigende Zinsen in den USA und Europa haben den Appetit auf kapitalintensive Infrastrukturinvestitionen seit 2023 gebremst. Gleichzeitig kürzen viele Unternehmen IT-Budgets, was die Nachfrage nach neuen IPv4-Blöcken dämpft. Der Gegeneffekt: KI-Investitionen fließen in Rekordtempo, und Breitbandausbau-Programme (BEAD in den USA, Gigabitförderung in der EU) erzeugen punktuell hohe Nachfrage. Per saldo überwiegt der Preisdruck nach unten, aber die Nachfrage bleibt robust genug, um einen Preisverfall unter $18 kurzfristig unwahrscheinlich zu machen.

Modellaktualisierung & Kalibrierung

Wir haben unsere früheren Prognosen mit den tatsächlichen Marktergebnissen abgeglichen und das Modell für diesen Bericht neu kalibriert. Das aktualisierte Modell gewichtet jüngere Preisbewegungen stärker, passt die Prognoseintervalle dynamisch an die aktuellen Marktbedingungen an und korrigiert systematische Verzerrungen aus früheren Prognosen. Die nachfolgende Grafik und Tabelle zeigen den Vergleich zwischen unseren Prognosen und den tatsächlichen Ergebnissen.

Modellaktualisierung & Kalibrierung
BerichtsperiodeZielmonatPrognoseTatsächlichAbweichung
2026-012026-02$19$21-6%
2026-Q12026-04$19$20-4%
2026-022026-03$20$19+6%
2026-032026-04$18$20-7%
2026-042026-05$19$20-4%
2026-052026-06$19$21-9%

Methodik

Die Zahlen basieren auf abgeschlossenen IPv4Center-Markttransaktionen und RIR-Transferstatistiken. Preise sind in US-Dollar pro IP-Adresse. Die Prognosen stammen von einem KI-Modell, das jede Blockgrößenklasse und jedes RIR-Segment separat (mit ausreißerbereinigten Medianen) sowie bekannte Marktfaktoren auswertet; sie sind Schätzungen, keine Garantien.

Datenquellen

  • Hilco Streambank — Abgeschlossene Auktionstransaktionen
  • RIPE NCC — Inter-RIR- und Intra-RIR-Transferstatistiken
  • ARIN — Nordamerikanische Transferberichte und Wartelistendaten
  • APNIC — Asien-Pazifik-Transferaufzeichnungen
  • LACNIC — Lateinamerika- und Karibik-Transferdaten
  • IPv4Center.com — Eigene Marktplatz-Transaktions- und Leasingpreisdaten

Dieser Bericht wird automatisch und ausschließlich zu Informationszwecken erstellt und stellt keine Finanzberatung dar.

Häufige Fragen

Wie hoch war der durchschnittliche IPv4-Preis im Q2 2026?

Der Durchschnittspreis lag bei $20,16 pro IP-Adresse. Der Median betrug $20/IP.

Wie hat sich der IPv4-Preis im Jahresvergleich entwickelt?

Im Vergleich zum Q2 2025 sind die Preise um 30,5 % gefallen. Der Rückgang ist vor allem auf erhöhtes Angebot durch die AWS-IPv4-Gebühr und generelle Marktberuhigung zurückzuführen.

Wie viele IPv4-Transaktionen gab es im Q2 2026?

Es wurden 312 Transaktionen über insgesamt 1.660.928 IP-Adressen mit einem Gesamtwert von $21,75 Mio. verzeichnet.

Was kostet ein /24-Block (256 IPs) aktuell?

Beim aktuellen Durchschnittspreis von $20,16/IP kostet ein /24-Block rund $5.161. Kleine Blöcke handeln typischerweise mit einem Aufschlag von $1–$5/IP gegenüber dem Marktdurchschnitt.

Was kostet ein /16-Block (65.536 IPs)?

Große Blöcke wie /16 handeln mit Mengenrabatt, typischerweise $15–$18/IP. Ein /16 kostet somit zwischen $980.000 und $1,18 Mio.

Warum sind RIPE-Blöcke teurer als ARIN-Blöcke?

RIPE-Blöcke lagen im Q2 2026 bei durchschnittlich $21,07/IP gegenüber $18,96 bei ARIN. Die RIPE-24-Monats-Haltefrist begrenzt das Angebot, und die hohe Nachfrage aus Europa stützt das Preisniveau.

Welches RIR hatte die höchsten Preise im Q2 2026?

LACNIC mit einem Durchschnitt von $24,14/IP, allerdings bei nur 7 Transaktionen. Die Knappheit transferierbarer Blöcke in Lateinamerika treibt den Preis.

Wie lange dauert ein IPv4-Transfer?

Ein typischer Transfer dauert 2–6 Wochen, abhängig vom RIR. ARIN-Transfers sind tendenziell schneller (2–3 Wochen), RIPE-Transfers können 3–6 Wochen beanspruchen.

Brauche ich einen Treuhänder (Escrow) für den IPv4-Kauf?

Dringend empfohlen. Ein Treuhandservice schützt beide Parteien — der Käufer zahlt erst, wenn der Transfer beim RIR eingeleitet ist, und der Verkäufer gibt den Block erst frei, wenn die Zahlung gesichert ist.

Warum sollte man den Escrow-Service nicht überspringen?

Ohne Treuhandservice besteht das Risiko von Betrug, doppeltem Verkauf oder Nichtlieferung. Bei Transaktionssummen von mehreren Tausend bis mehreren Millionen Dollar ist dieses Risiko nicht vertretbar.

Sollte ich IPv4-Adressen kaufen oder mieten?

Bei einer Nutzungsdauer über 34 Monate (2,9 Jahre) ist der Kauf günstiger. Die Amortisation liegt bei $20,16 Kaufpreis gegen $0,59/IP monatlicher Miete. Für kürzere Projekte lohnt sich die Miete.

Wie hoch ist die Mietrendite für IPv4-Adressen?

Die rechnerische Jahresrendite liegt bei 34,9 % auf Basis der aktuellen Mietpreise von $0,59/IP/Monat und einem Kaufpreis von $20,16/IP.

Was kostet die Miete eines /24-Blocks pro Monat?

Die durchschnittliche Monatsmiete für einen /24-Block liegt bei $150, basierend auf einer Stichprobe von 50 Mietangeboten.

Wie ist die IPv4-Preisprognose bis Jahresende 2026?

Das Prognosemodell erwartet $20/IP im nächsten Monat und $19,40/IP bis Dezember 2026 — ein weiterer Rückgang von etwa 3,8 % gegenüber dem aktuellen Niveau.

Welche Fehler sollte man beim IPv4-Kauf vermeiden?

Die häufigsten Fehler: Kauf ohne vorherige Schwarzlistenprüfung, Verzicht auf Treuhandservice, fehlende Verifizierung der Transferberechtigung beim jeweiligen RIR und Nichtbeachtung der RIPE-Haltefrist bei Weiterverkaufsabsicht.

Was sind die Risiken, wenn man die Schwarzlistenprüfung auslässt?

Ein Block auf großen Sperrlisten (Spamhaus, CBL etc.) kann 30–50 % an Wert verlieren und ist für E-Mail- oder Webhosting-Zwecke zunächst unbrauchbar. Die Bereinigung kann Wochen bis Monate dauern.

Was ist die RIPE-24-Monats-Haltefrist?

Das RIPE NCC verlangt, dass ein Block mindestens 24 Monate beim neuen Inhaber registriert ist, bevor er erneut transferiert werden kann. Das verhindert spekulative Schnellkäufe und verknappt das Angebot.

Gibt es IPv4-Transaktionen bei AFRINIC?

Im Q2 2026 gab es keine einzige AFRINIC-Transaktion. Die anhaltende Governance-Krise des Registers und faktische Transfersperre blockieren den Markt vollständig.

Welche Länder sind am aktivsten im IPv4-Handel?

Die USA führen mit 116 Transaktionen, gefolgt von Großbritannien (46) und Kanada (25). Deutschland lag mit nur 5 Transaktionen weit abgeschlagen.

Wie beeinflusst die AWS-IPv4-Gebühr den Markt?

Seit der Einführung im Februar 2024 geben Unternehmen ungenutzte öffentliche IPs bei AWS zurück. Das erhöht indirekt das Angebot auf dem Transfermarkt und hat die Preise binnen 18 Monaten um über 50 % gedrückt.

Macht IPv6 IPv4-Adressen überflüssig?

Nicht in absehbarer Zeit. Die globale IPv6-Adoption liegt bei rund 45 %, variiert aber extrem nach Region. Solange nicht alle relevanten Netzwerke IPv6 unterstützen, bleibt IPv4 für End-to-End-Konnektivität unverzichtbar.

Wie groß war die durchschnittliche Transaktion im Q2 2026?

Die durchschnittliche Losgröße betrug 69.704 IPs — ein Rückgang von 46,1 % gegenüber 129.273 IPs im Q1 2026. Der Markt wurde von kleineren Deals dominiert.

Was beeinflusst den Wert eines IPv4-Blocks am meisten?

Die wichtigsten Faktoren sind Schwarzlistenstatus, Blockgröße, RIR-Zugehörigkeit, Zuweisungsalter und Übertragbarkeit. Ein sauberer RIPE-Block erzielt typischerweise $2–$3 mehr pro IP als ein vergleichbarer ARIN-Block.

Wie wirkt sich das US-Breitbandprogramm BEAD auf den IPv4-Markt aus?

Das $42-Mrd.-Programm geht in die Umsetzungsphase. Regionale ISPs benötigen mittlere Blockgrößen (/20 bis /18), was die Nachfrage in diesem Segment in den nächsten 12–24 Monaten stützen dürfte.

Lohnt sich IPv4 als Investition?

Die Mietrendite von 34,9 % ist außergewöhnlich hoch, muss aber gegen den Kapitalwertverlust von 30,5 % im Jahresvergleich gerechnet werden. Netto bleibt die Rendite positiv, sofern der Preisverfall sich wie prognostiziert auf 3–4 % pro Quartal verlangsamt.

Was passiert, wenn ein Hyperscaler große IPv4-Bestände verkauft?

Amazon, Microsoft, Google und Apple halten zusammen geschätzte 200–300 Mio. Adressen. Ein großer Verkauf würde das Angebot sprunghaft erhöhen und die Preise unter Druck setzen. Bisher gibt es dafür keine konkreten Signale.

Wie viele offizielle RIR-Transfers gab es im Q2 2026?

Insgesamt 1.663 RIR-Transfers, davon 1.000 bei RIPE und 663 bei ARIN. Diese Zahl umfasst auch nicht-monetäre Übertragungen und konzerninterne Umschichtungen.

Welche Blockgröße wird am häufigsten gehandelt?

Der /24-Block (256 IPs) war mit 90 von 312 Transaktionen die meistgehandelte Größe. Er ist die kleinste BGP-routbare Einheit und damit die Standardwahl für kleine und mittelständische Unternehmen.

Wie treibt KI-Infrastruktur die IPv4-Nachfrage?

GPU-Cluster, Inferenz-Farmen und Edge-Deployments benötigen öffentliche IP-Adressen für Managementnetzwerke und API-Endpunkte. Die angekündigten KI-Investitionen von über $200 Mrd. in 2025–2026 werden sich in den kommenden Quartalen im Transfermarkt bemerkbar machen.

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